Donnerstag, 17. Mai 2018

Stadtmarke: WIR WOLLEN'S WISSEN! - (Auch wenn die entscheidende Frage fehlt...)

Eine unzeitgemäße Nachbetrachtung von Raimund Vollmer zum Ende einer Umfrageaktion
 
Wir werden es erfahren: am 18. Juli will uns die Stadt mitteilen,was ihrer Meinung nach bei der Umfrage zum Markenbildungsprozess herausgekommen ist. Da die Fragen durchaus suggestiv angehaucht sind, sind wir natürlich besonders gespannt, wie unsere 9514 Antworten interpretiert werden. Heute war in der FAZ zu lesen, dass im holländischen Groningen (größenmäßig in etwa in derselben Kategorie wie Reutlingen) 97 Prozent der Menschen zufrieden sind mit ihrer Stadt. Ob wir da auch nur annäherungsweise rankommen? Es ist eine Stadt mit 50.000 Studenten, also eher vergleichbar mit Tübingen, aber damit auch bestimmt von Menschen, die nur für ein paar Jahre hier leben, also stark mitbestimmt wird von Zugezogenen. Und auf deren Mehrung ist ja Reutlingen offensichtlich aus, wenn ich den Sinn dieser Umfrage richtig verstanden habe.
Bei der Umfrage der Stadt Reutlingen ist es der elfte Fragenkomplex, auf dessen statistischer Auswertung wir besonders gespannt sein sollten. Da können wir dann erfahren,
- ob uns Reutlingen persönlich (wer denn sonst?) "sehr gut" gefällt.
- ob "ich" mich mit "Reutlingen sehr verbunden" fühle,
- ob es "gute Gründe" gibt, in "Reutlingen zu wohnen und zu leben",
- ob "ich" "immer wieder nach Reutlingen ziehen" würde,
- ob "ich" einer "guten Freundin oder einem guten Freund Reutlingen zum Leben und zum Wohnen" empfehlen würde,
- ob "ich" Reutlingen "als Stadt zum Wohnen und Leben sehr atraktiv" finde und
- ob "ich" Reutlingen "für Menschen aus dem Umland insgesamt sehr attraktiv" finde.
Alles gute Fragen - nur eine fehlt. Sie taucht auch - jedenfalls habe ich sie nicht gefunden - in keiner der anderen 13 Fragenkomplexen auf. Diese Frage lautet,
- ob "ich" insgesamt zufrieden bin mit der Stadtverwaltung und mit der Politik in dieser Stadt, also zum Beispiel mit dem Stadtrat.
Dass diese Frage nicht gestellt wird (vielleicht habe ich sie aber auch übersehen) ist umso erstaunlicher, weil im14. Fragenkomplex lauter Zukunftsthemen angesprochen werden, auf die die Politik und die Verwaltung in unserer Stadt maßgeblichen Einfluss hat. Dort nach der Zufriedenheit der Bürger mit deren Repräsentanten zu fragen, hat man sich offensichtlich nicht getraut, meine "ich", der ich nur ein Bürger bin.
Vielleicht bin ich ja nicht ganz allein einer, der das - über alle Parteien und Interessen hinweg - gerne gewusst hätte. Immerhin ist die Politik doch auch Teil der Marke (siehe Tübingen).
Bildertanz-Quelle: Raimund Vollmer



Mittwoch, 16. Mai 2018

Reutlingen - ein Sonntagsstaat für die Sonntagsstadt

 Eine unzeitgemäße Betrachtung von Raimund Vollmer
Das neue Vier-Sterne-Hotel leuchtet golden -und wirkt so filigran, wie auch einmal die Stadthalle aussehen sollte - als Modell, aber dann ein dunkler Kasten wurde.
Erinnerungen an die Zukunft - Max Dudler konstruiert momentan gerne in diesem Rasterstil. Hier ein Entwurf für Antwerpen.


Heute veröffentlichte unser Generalanzeiger eine Luftbildcollage mit der Stadthalle und dem neuen Viersternehotel, das sich neben dem Amüsementtempel erheben darf. "Hui", denkste beim näheren Studium des Bildes, "da steht ja wieder die Listhalle". Und die schnurgeraden Schnurbäume haben auch schon ihre stramme Haltung eingenommen, die damit wohl Vorbild sein sollen für uns Bürger im Bürgerpark. Und dann guckst Du ein wenig in den Dudler-Kasten (Homepage) und entdeckst auf der Homepage des Schweizer Architekten, dass das, was er uns als Hochhaushotel erbauen will, bereits erprobte Mode bei ihm ist (und bei vielen anderen auch). Dass er in dieser klinisch sauberen Umgebung, über die auch nicht ein Hauch von Feinstaub wirbelt, solch eine Schmuddelecke wie die Listhalle toleriert, zeigt mir indes, dass der Architekt Sinn für Geschichte hat - so wie es seine sonst schnell vergänglichen Sprüche auf der Homepage uns verkünden. Diese Rasterfassaden, die nun auch das neue Hotel bestücken und beglücken, sind wirklich der letzte Schrei, den wir nun auch noch ein Leben lang aushalten müssen.

Natürlich ist daran nichts mehr natürlich, aber ob dieses Ensemble wirklich identitätsstiftend sein wird wie angeblich die Stadthalle (so in einer Laudatio), da werden die Bürger wahrscheinlich sehr unterschiedlicher Meinung sein. Dudler polarisiert, wobei ich zugeben muss, dass ich selbst immer wieder hin und hergerissen bin zwischen Staunen und Grausen. Staunen würde ich, wenn ich als Fremder in diese Stadt käme: "Wow", um es in klarem Integrations-Deutsch auszudrücken.  Grausen tut's mich, wenn ich es mit der alltäglichen Lebenswelt in unserer Stadt verbinde. 
Wir können doch nicht jeden Tag Sonntag haben. Da war mir die Listhalle lieber und das alte Parkhotel am Listplatz auch.

Aber vielleicht ist es tatsächlich das Ziel unserer Stadtverwaltung, Reutlingen in einen permanenten Sonntagsstaat zu kleiden, aus Reutlingen eine Sonntagsstadt zu machen. Und so summe ich ein Liedlein vor mich her, das der gute Franz-Josef Degenhardt in den sechziger Jahren komponierte und "Deutscher Sonntag" nannte: "Hütchen, Schühchen, Täschchen passend, ihre Männer unterfassend, die sie heimlich heimwärts zieh'n, damit sie nicht in Kneipen flieh'n..."

Eh, in welche Kneipen? 
Natürlich sollst Du im Hotel bleiben, das Arrangement aus Halle und Hotel am besten gar nicht verlassen.
 
Bildertanz-Quelle: Büro Max Dudler

Montag, 14. Mai 2018

Altenburg im Glück: Berliner Pfarrersehepaar schenkt den Kindergärten Handpuppen für Märchenaufführung...

... "Hans im Glück". Sie waren hier, Maria und Klaus Sorge, um aus einem ganz anderen Leben zu berichten, aus der Zeit der Bombardierungen, der Besatzung und der unmittelbaren Nachkriegszeit - aus der Zeit um 1945, die sie beide im Großraum Berlin verbrachten. Sie wurden Bürger der DDR. Und sie erzählten, wie sie sich kennengelernt haben und ihre Liebe zueinander entdeckten. Es war ein wunderbarer Abend im Evangelischen Gemeindesaal von Altenburg. Veranstaltet hatten diesen "Altenburger Abend" die Ev. Kirchengemeinde und der Geschichtsverein.